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Sind Wälder überall sinnvoll?

„True Story Time“

Derzeit versuchen wir mit Hochdruck, überall Bäume zu pflanzen – von kleinen Initiativen bis hin zu groß angelegten Projekten, etwa in der afrikanischen Sahelzone oder in der chinesischen Wüste Gobi. Doch wir müssen uns eine grundlegende Frage stellen: Sind diese Landschaften überhaupt dafür vorgesehen, Bäume zu tragen? Offenbar haben wir übersehen, dass nicht alle Regionen unserer Erde natürlicherweise Bäume unterstützen. Damit ein Baum gedeihen kann, benötigt er viel Wasser. Die Sahelzone und die Wüste Gobi sind jedoch sehr trocken; wir bezeichnen solche Gebiete als „arid“. Werden Bäume am falschen Ort gepflanzt, kann das sogar kontraproduktiv sein: Sie verhindern nicht nur die Bodenerosion nicht, weil der ausgetrocknete Boden weiterhin kahl und ungeschützt bleibt, sondern können einem Ökosystem zusätzlich Wasser entziehen. Eine Cambridge-Studie, die 43 Untersuchungen auswertete, kam sogar zu dem Ergebnis, dass die Aufforstung den jährlichen Abfluss von Flüssen nach fünf Jahren um 23 % und nach 25 Jahren um 38 % reduziert.

Lassen Sie uns das erklären: Bäume sind dort sinnvoll, wo im Boden ausreichend oder sogar zu viel Wasser vorhanden ist. Das setzt voraus, dass der Boden genügend Regenwasser aufnimmt, um seine Wasservorräte kontinuierlich zu erneuern. Gibt es jedoch nicht genug Wasser – wie in ariden Regionen –, müssen Bäume dieses lebenswichtige Element auf anderem Wege finden. Ihre Wurzeln wachsen tief in die Erde, bis sie auf unterirdische Wasservorräte stoßen. In einem ariden Umfeld können solche Reserven kaum erneuerbar oder im Extremfall sogar praktisch nicht erneuerbar sein. Mit fortschreitender Desertifikation bricht der natürliche Wasserkreislauf zusammen. Der Boden kann Feuchtigkeit oder Regen nicht mehr aufnehmen und füllt diese Reserven nicht mehr auf. Ein Baum verbraucht dann das kostbare Wasser und treibt dadurch die weitere Austrocknung des Landes voran. Es entsteht ein Teufelskreis, der selbst für den Baum schlecht endet: Er überlebt nur so lange, wie dieses Wasser reicht.

Was sollte in einem ariden Umfeld also tatsächlich wachsen? Solche Regionen liegen häufig weit vom Meer entfernt und erhalten nur wenig Niederschlag; Wasser ist deshalb eine besonders empfindliche Ressource. Graslandschaften sind die Vegetationsform, die solche Gebiete natürlicherweise tragen und benötigen. Sie bilden eine dichte Pflanzendecke über große Flächen und wirken wie ein lebenswichtiger Puffer zwischen Boden und extremer Hitze. Dadurch schützen sie Bodenorganismen, die organische Bodensubstanz (OBS) und den Wasserkreislauf. Wäre der Boden dieser Hitze ungeschützt ausgesetzt, würden die Organismen schlicht absterben, die organische Bodensubstanz würde oxidieren und das Wasser verdunsten. Zurück bliebe eine kahle Landschaft, die nur wenig Leben ermöglicht – so, wie wir es heute in vielen ariden Regionen der Welt beobachten. Um Boden und Bodenorganismen zu schützen, muss das Land daher kontinuierlich von Vegetation bedeckt sein. Gräser benötigen wesentlich weniger Wasser als Bäume und bedecken gleichzeitig mehr Oberfläche. Ihre dichten Wurzelsysteme und die biologisch aktiven Böden wirken wie ein Schwamm und nehmen jeden Tropfen Feuchtigkeit auf, den diese harschen Landschaften hergeben.

Die sogenannte „Sukzessionsskala“ der Vegetation veranschaulicht die Reihenfolge, in der die Natur die Böden unserer Erde mit unterschiedlichen Vegetationsformen bedeckt.

Ein weiteres starkes Argument für Graslandschaften ist ihr enormes Potenzial, Kohlenstoff zu binden und sicher im Boden zu speichern. Betrachtet man die große Fläche, die Grasland bedecken kann, könnte dort deutlich mehr Kohlenstoff gebunden werden, als ein neu angelegter Wald aufnehmen könnte. In solchen Regionen bilden Bäume keine geschlossene Pflanzendecke. Gleichzeitig verbrauchen sie jedoch einen erheblichen Anteil des ohnehin knappen Wassers, wodurch andere Vegetationsformen in ihrer Umgebung absterben können. Das reduziert das gesamte Potenzial zur Kohlenstoffbindung zusätzlich. Wären diese Flächen dagegen vollständig von üppigem Grasland bedeckt, dessen Wurzelsysteme sich weit in alle Richtungen ausbreiten, könnten wir die Fähigkeit zur Kohlenstoffbindung auf jedem einzelnen Quadratmeter Boden nutzen – statt uns auf wenige, weit auseinanderstehende Bäume in einer ansonsten verödeten Landschaft zu verlassen.

Bäume in einer ariden Umgebung zu pflanzen ist, als würde man eine Einbahnstraße in die falsche Richtung befahren. Bäume können keine durchgehende schützende Pflanzendecke bilden, weil sie zu weit auseinander wachsen. Gleichzeitig können sie in diesen ohnehin extremen Regionen noch den letzten Rest des kostbaren Wassers verbrauchen. Die Folge sind weitere Desertifikation, stärkere Bodenerosion und noch weniger verfügbares Wasser. Wir halten das für kontraproduktiv. Unseren Planeten zu regenerieren bedeutet, Wälder dort wiederherzustellen, wo sie einst gediehen, und gleichzeitig die Böden von Graslandschaften und Ackerflächen zu regenerieren. Denn jeder Landschaftstyp erfüllt eine wichtige Funktion und braucht seinen eigenen Ansatz. Genau diese Differenzierung bildet die Grundlage für das Handeln von LIOS.